die lederjacke meiner mama
Ich kann sie noch riechen, die Lederjacke meiner Mama.
Die Lederjacke meiner Mama, sie war echt.
Kalte Schnallen, Rauch, Kneipendunst, Armani, ganze Nächte, es ist so viel, das nicht mehr herausgeht, tief eingedrungen in schwarzes Leder.
Sie hatte es geschafft, sich eine zweite Haut zu schaffen.
Eine, die nichts mehr durchdringen konnte,
die alles festhielt,
unter der ich sie nicht mehr fand,
aber die mich von Zeit zu Zeit einhüllte.
Es war eine dieser Bikerjacken, die eng in die Taille geschnürt wurden.
In einer dieser zahllosen langen Nächte, für die sie lebte, in denen man schließlich an die Luft gesetzt wird, viel zu kalt, viel zu müde, in denen man nur an ein warmes Zuhause denken kann, die Taxe zu teuer war, hing sie mir manchmal, viel zu groß und schwer, über den Schultern.
Mit der Zeit.
Gehen ging langsamer.
Gehen, wohl eher nicht.
Ich wartete nur noch.
Doch Zuhause, wartete nichts.
Zum dichten Leder gesellte sich eine Geste, die,
mein kleiner Bruder, schon im Kinderwagen, für immer übernahm.
Wir hörten ihr »Fuck You« oft,
vielleicht, weil sie so grundsätzlich verärgert war,
vielleicht, weil sie alles und jeden verachtete,
vielleicht, weil wir sie einfach alle in Ruhe lassen sollten.
Letzteres, konnte ich gut verstehen. Letzteres, murmelte ich oft, in nächtlichen Selbstgesprächen. Frieden, ist schwer.
Mit der Einsamkeit verliert man seine Freiheit, eine Lehre aus einem Kinderlied.
Wenn man ein Kind ist, hat man für alles ein Lied. Ein Lied für das erste Feuer, für das Küssen, für das Lesen, für Ampeln. Später dann, nur noch für den Schmerz und die Sehnsucht. Sie sagen, Gedanken können alles besiegen.
Was ich wusste war, dass gegen triste Exzesse nur Freunde etwas halfen. Durch die dichten Nächte erreichten und befreiten sie mich von einer schleppenden Angst, die mich nicht verlassen wollte, indem ich mir vorstellte und zurückholte, wie sie blieben und verstanden, zuerst und zuletzt.
Sie gaben mir eine Trotzigkeit, die ich in mir, die mich, bis heute, bewahrt.
Innen, warm.

