die dritte meinung

Am Scheidepunkt geht's um Entscheidungen, und wo zwei Menschen sind, sind meist drei Meinungen. Ich bin nicht hier, um dir zu gefallen. Ich geh meinen Weg, mal versunken und leise, mal wild und kaum zu halten, bis zum Schluss. Mein ganzes Herz, mein Kompass, hat dein Glück nicht auf dem Gewissen. Warum willst du nicht bei den anderen sitzen? Weil ich hergekommen bin, mich umgesehen habe und hier sitze, sehr gerne. Du siehst in den Himmel über dir, voller Hoffnung, für die Sterne. Was nutzt es, wenn ich hier sitze, und du nicht mehr du bist? Die dritte Meinung scheidet vom Leben. Der dritten Meinung ist es ganz egal, ob und wer ich bin. Wir alle scheiden aus dem Leben. Die dritte Meinung ist ungerecht. Sie streut Gerüchte von einem Aufschub. Sie hält uns voneinander fern. Sie ist alles, was zwischen uns steht. Sie steht nicht für die Sterne, sie steht für die Ferne. Und irgendwann siehst du sie nicht mehr. Die dritte Meinung, ihre Antwort bleibt ein Geheimnis. Sie hat keine Ahnung, keine eigene Welt. Ohne Applaus hält sie es nicht aus. Ohne sie kommst du nicht weit, weil du ihr alles geben musstest, ohne es zu wollen. Du hast gedacht, sie weiß, wohin, sie kennt dich, sie wird dich sehen. So langsam wirst du träge, ein schwerer Stein, nichts geschieht, denn du gehst ihren Weg. Sie hält dich immer für irgendetwas, aber halten wird sie dich nicht. Sie sucht nicht nach deinem Inneren, sie stellt es in Frage. Sie versteckt sich, sucht sich aus, wen sie am wenigsten und wer am besten leiden kann, damit sie nicht allein ist. Du bist schlecht, du bist gut, wie der Mond ein Stein und ein Stern ist. Sie passt nicht auf dich auf.

Danke für das Gespräch. Du musst nichts erklären.

Das Gemeine ist, dass die Liebe bleibt. Sie verschwindet nicht, sie wird nur schlimmer, sie ist das Leben, das keinen Aufschub kennt. Sie verlangt viel Hoffnung, ist gegen die Vereinzelung, sie ist ein Leben mit Absicht. Ich tue dir leid, du kannst mir nicht helfen, doch glaub mir, so sehr unterscheiden wir uns nicht. Vielleicht bist du feige, es ist aber auch verflixt und zugenäht, dein großes Herz, völlig blind und vollkommen, das mit der Zeit immer wütender wird. Da hilft keine Medizin, um es ruhigzustellen. Und irgendwann fällt dir etwas ein, etwas, das man dir zwar gesagt hat, aber nie so, dass du es verstanden hast. Es sagt, du hörst nur zu, wenn ich dir weh tue. Wenn du versuchst, den Tod zu verhindern, wirst du jeden Tag sterben. Du dachtest, du müsstest dich ruinieren, sezieren, in zarte Stücke filetieren, zur dritten Meinung konvertieren, in ihre Arme fliehen, wie in Stacheldraht, die dir im Nacken sitzt und sagt, dass es dich gar nicht gibt. Du hast nicht gesponnen. Du hast nur dieses eine Leben, du bist nicht leer. Es gehört zu dir. Es gibt sie, die Liebe. Sie ist entscheidend. In all den Geschichten, die nichts sagten, weil sie nichts wussten, uns aus der Ferne zuwinkten, uns nie alles gesagt haben, aber auch nicht nichts. In all den Geschichten, die wir nicht weiterspinnen wollen und in denen wir froh sind, überhaupt gesprochen zu haben. In denen wir uns nahe waren, ganz egal, wie weit der Weg war, weil wir uns getraut haben, etwas offen auszusprechen, ohne es nur so zu sagen. Man kann mehr oder weniger Worte verlieren, aber nicht nicht sprechen, egal, wie offen oder wie verflixt und zugenäht das Herz auch ist. Wichtig ist, wo sie herkommen. Warum ist meine Liebe ihrer Rede wert? Du musst nicht warten. Die dritte Mein-ung gibt es nicht. Sie war und ist noch nie entschieden. Sie hat angekettet aufgegeben. Sie macht allein. Wir sind wie alle anderen, aber sie ist nicht mein, sie ist nicht einmal sie, ein ganzer Lynchmob, sie macht mich von der Seite an, am Herz vorbei, ganz uninteressant. Nur ein Dummkopf würde denken, dass sie irgendetwas zu beweisen hat. Sie ist Laut und vorhersehbar, ihre Stille, sie wächst wie ein Krebsgeschwür, wir sind weg, noch bevor sie uns findet. Sie kann nicht wegschneiden, was wir haben, nicht töten, was wir sind. Pure Emotionen jagen ihrer Dunkelheit eine Höllenangst ein. Unsere Liebe tötet sie, die Explosionen, sie sind blutrot, meine Symphonie. Der Knall kommt, von überall, unser Mut ist ihr Zerfall. Ich hoffe, du hörst es. Ich hoffe, du weißt es. Was ich ihr noch sagen wollte: Sie hat mich schwer getroffen. Und wenn du es bist, leicht im Schatten: Du hast mich berührt. Egal wohin, egal wie weit, wir haben alle Zeit. Wollen wir dahin, wo das Licht ist? Alles wär jetzt richtig.

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sweet little angels

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for whatever that means