in midas händen
Es ist ganz normal, dass ich dir näher komme, du angesehen wirst, aber nicht zurückblicken kannst. Festgestellt, dein Blick auf die Welt, weißt du weder ein noch aus. Ich weiß, ja, so willst du immer reisen: mehr von mir, mir blind vertrauen. Gefährlich, ich bin nur vorübergehend, spurlos, das wirst du noch durchschauen. Niemand soll sich bewegen, schon gar nicht meinetwegen. Du brauchst einen Freund, willst irgendwo landen, ich tu so, lasse dich stranden. Ich habe keinen Inhalt, keine Zeugenschaft, keine Stimme. Ich gleite, ich rutsche, ich zerrinne. Ich bewohne die Welt nicht, ich bin ein Eindringling, ausgeschlossen, ganz gewöhnlich, in aller Stille, nehme sie nicht persönlich. Das Persönliche wäre erzählenswert, würde mich verwandeln, der Boden, auf dem ich stehe, auf dem ich Liebe und Sprache sähe. Es gibt Dinge, die man besser nicht hält, nicht berührt. Worte sind wertlos, Schweigen Gold, und Gold ist, was wir alle wollen. Ich will dein Bauchgefühl, will dir diesen Moment nicht stehlen, will keinen Tausch, ich bin hungrig nach dem Rausch. Ich trete aus dem Schatten, kurz und heftig, kein Rausch ohne Filmriss, begib dich, in die Flächen meiner Hände. Ich will dein Aus, deinen Boden, deine ganz privaten Wände, indem ich sie behandle, verwandle, veredle. Ich schwöre dir, ich habe keine Waffe, und doch, gewiss, schlafe ich mit ihr. Ich habe immer ein Auge, ziele, auf dich, ich zeige es nur nicht. Ich lass dich nicht gehen, ich will deine Tage zählen, bis du es nicht mehr erträgst. Denk, was du willst, nur denk dabei an mich. Es ist bitter und richtig. Niemand kennt dich besser als ich. Heute, bist du unsterblich. Gib mir deine Hand. Ruh dich aus, leg dich ganz nah in meine himmlischen Laken, du kannst mir trauen, ich führe dich nach Hause, wo ich dich haben will, wie ich dich haben will, wie eine Frau, Midas' Berührung, als Skulptur, schwer, versunken, still, ausgestellt. Das hier wird endgültig. Du musst sterben, gerade geboren, ganz offen, zart und zerflossen, wirst du einsam erstarren, Gelebtes, Geliebtes in Gedachtes verwandelt, aufgebahrt, vernagelt, versargt. Gewaltsamkeiten können nur wenig anfangen, schrecklich eingeengt und voreingenommen, ganz privat. Hab ich es dir nicht gesagt? Du wolltest dich verschenken, mich ehrlich halten, auf gemeinsamen Wegen, ohne Himmelsglauben. Jetzt bist du abgeschnitten von allem, was die Welt genannt wird. Ich schau dir in die Augen, sie schauen ungehalten in meine hinein, denn ein Leben mit mir ist ein Leben allein, ich bin kein Du, drum wird es Zeit und besser für dich, jetzt zu gehen. Ohne dich zu sehen, immer hungrig, mit der verzweifelten Liebe eines Kindes, schlag ich den Anfang nieder, hoch oben, in edles Metall, unsterblich, ohne Vertrauen, kein aus Versehen. Ich habe Angst. Ich bin ein König unter Dieben, und meine Welt gehört dir. Dein größtes Vergehen ist deine Liebe zu ihr. Wie sehr du dich freust, wie sehr du enttäuscht bist, von mir. Als einen Freund, der erst Freund werden muss, als einen alten Feind, einen Erfinder oder Schwindler, immer das Gleiche, lebendige Leiche, und jetzt, du, als Freundin, als Frau, im Mondlicht, träumend und schön, in einer Minute geliebt und getrauert, die Reise und Richtung vergessend, jetzt mit Abstand und lieber allein. Was ich dir damit sagen wollte: Der Wunsch, geliebt zu werden, ist deine letzte Illusion. Gib ihn auf, und du bist frei.
Die zweite der zehn Regeln des Feuers besagt, dass man niemals Einladungen von Menschen annehmen darf, die einen verehren. Das Gold, es verwandelt, es sagt, du sollst in Ewigkeit ruhen. Auf einen Goldrausch folgt ein einsamer, unsterblicher Tod im Hotelzimmer. Am Ende wird er, der feststellen muss, ob du eine Seele hast, dem du es beweisen musst, er wird dich bedauern und feststellen, dass du keine hast. Wo bist du? Steh auf, es muss alles anders werden. Jetzt musst du wanken, dich bewegen. Vielleicht bist du verrückt genug, mach all das jetzt kaputt. Er ist ein König, aber ein Sklave. Diese Liebe endet heute. Lauf davon. Niemand weist dir deinen Weg.
Liebe ist und nicht Legende, kein Ende. Sie ist Anfang – wenn sie fruchtbaren Boden hat, wachsen, fließen, tanzen kann, ist sie reichhaltig, dauerhaft, macht sie einen Sinn, enthüllt sich selbst, macht sich frei, eines morgens, wie aus Versehen, raus aus diesem Einheitsblei. Sag was, machst du hier? Nirgendwo und niemand anders ist frei, um zu handeln. Außer wir.

